Die heutigen Schlagzeilen der BILD-Zeitung. Zusammengefaßt.

- Rettet dieser Zettel die Mathäus-Ehe
- So werde ich Zsa Zsa Gabor plastinieren!
- Nico Schwanz von Freundin betrogen?
- Hotels verbannen Paris Hilton
- Jack White schmust sich in seinen 70.
- Wiesn-Verbot für Daniela Katzenberger?
- Thomalla lässt sich Assauer tätowieren
- Dieser Maler pinselt mit seinem Penis!
Laut der FAZ versucht Thilo Sarrazin in seinem neuesten Werk “Deutschland schafft sich ab” zu erörtern, wie Deutschland dumm wird. Im Lichte dieser geistreichen Schlagzeilen stellt sich die Frage, über welche Zukunft sich der Autor Sorgen macht, wenn das bereits die Gegenwart ist.
Unterschied

Und es gibt ihn doch. Einen Unterschied zwischen den teuren Designern auf der Münchner Maximilianstrasse und den Billig-Ketten wie H&M, Zara oder wie sie alle heissen. Das weiss man spätestens, wenn man in der Yves Saint Laurent Ausstellung im Pariser Petit Palais war. Vierhundert Meter Schlange, um überhaupt reinzukommen. Warum ist das Interesse der Franzosen an einer Designer-Ausstellung so viel größer, wie wenn man diese Ausstellung in Deutschland machen würde? Gute Frage, keine Antwort.
Viele Nationalitäten, fast jeder mit einem Audioguide in der Hand, vorwiegend Frauen, ansonsten schwule Männer.
Statt Bilder: Kostüme, welche die 40-jährige Designertätigkeit von Yves Saint Laurent repräsentieren.

Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Saint Laurent ihnen die Power. Wie wahr. Wunderschöne Roben, sensationelle Schnitte, leider auch etwas Pelz.
Was ich persönlich am Spannendsten fand war das Atelier des Designers: Es war durch eine Spiegelwand aufgeteilt in Real Atelier und Mind Atelier. Ein Teil zum Arbeiten, der andere für Brainstorming.
Saint Laurent war übrigens des erste Schöpfer eines Parfüms, der für seinen Duft persönlich warb – und das nackt.

Paris ist wie eine wunderschöne Frau…
sie kostet Zeit, Geld und Nerven. Und ist manchmal etwas anstrengend.
Aber dennoch extrem faszinierend.

Du sollst lügen.

Er kommt mal wieder aus Frankreich. Der Film, bei dem Gedanken an schöne Momente die Tränen in meinen Augen unterdrücken sollten. Und irgendwie verstehe ich das Ganze nicht. Denn selten habe ich gleichzeitig so viel gelacht und das Gefühl gehabt, eine nette Slapstick-Komödie zu schauen. Und dennoch war ich betroffen. Wie der in Paris lebende Regisseur Radu Miahileanu dies geschafft hat, weiss am Ende von seinem Film “Das Konzert” wahrscheinlich keiner so wirklich. Vielleicht ist es die Mischung aus wunderschöner Tschaikowsky-Musik und dem Wunsch, dass der Protagonist die Ehre und den Applaus erhält, die ihm 30 Jahre zuvor verwehrt worden sind.
Es geht um einem russischen Dirigenten, dem 1980 alles genommen worden ist, weil er jüdische Musiker beschäftigt hat. Mit Hilfe einer Lüge schafft er es, sein altes Orchester zu reaktivieren um mit diesem in Paris ein Konzert aufzuführen. Normalerweise verachten wir Menschen, die vorgeben, etwas zu sein, das sie nicht sind. Den Hauptdarsteller Andreï Filipov lieben wir dafür. Weil man realisiert, dass er dadurch erst sein kann, wer er wirklich ist und die 30 Jahre im Leben eines jeden Orchester-Musikers eine erzwungene Lüge waren.
Das Spannende daran ist, dass das Leben des Regisseurs geprägt von solchen positiven Lügen ist. Bereits in Miahileanus erstem bekannten Film “Zug des Lebens” geht es um die Vortäuschung falscher Tatsachen. Auch in seinem nächsten Film “Geh und lebe” gibt sich der Hauptdarsteller als Jemand aus, der er gar nicht ist. Warum dem Regisseur die Aushebelung des “Du sollst nicht Lügen”-Gesetzes so wichtig zu sein scheint, realisiert man nach kurzer Recherche seiner Biografie. Miahileanus Vater hiess eigentlich Mordei Buchmann. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg aus dem Arbeitslager geflohen war, gab er sich als Ion Mihailean aus, um seine jüdische Identität zu verbergen.
Ein schöner, unbedingt sehenswerter Film, der auf erstaunliche Weise das 8. Gebot ausser Kraft setzt.
Happy Birthday Clodia

Ich hab sie nur einmal live gesehen. Beim Dreh von “666 – Traue keinem, mit dem du schläftst!” habe ich mir als Studentin ein paar Mark dazu verdient. Als Lichtdouble von ihr. 1000 Mark gabs dafür. Sie sollte aus den Bett fallen. Was sie dann auch selbst gemacht hat, nachdem ihr Schauspielcoach ihr ins Gewissen geredet hatte.
Ich kann mich noch dran erinnern, wie es damals alle spannend fanden, sie “live” zu sehen und zu begutachten. Was eher ungewöhnlich war, weil man ja ständig mit Stars zusammenarbeitete. Und wie Kommentare fielen wie: “Sie zieht das Negligée nur an, wenn es ihre Knie bedeckt – die müßte doch als Model alles tragen!” Und dennoch war sie irgendwie Besonders und strahlte einen internationalen Touch aus, den leider nicht viele Deutsche haben.

Happy Birthday zum 40. Geburtstag.
Was ist das?

1. eine Slipeinlage für übergewichtige Frauen?
2. ein Utensil für läufige Hündinnen?
oder
3. ein neuartiger Küchenschwamm?
Nichts von alledem und meiner Meinung nach noch viel unsexier als alle drei oben angeführten Sachen zusammen:
Ein Achselpad. Das dann verpackt so aussieht:

Sprich: Man löst das Pad von der Klebefolie, klebt es in das Kleidungsstück (doof nur wenn man ein Tanktop trägt) und dieses Teil saugt dann laut Beschreibung die Feuchtigkeit des Achselbereiches auf – hohe Saugfähigkeit und diskreter Tragekomfort übrigens garantiert.

Meiner Meinung nach das unsinnigste und unerotischste Präsent, dass im Jahr 2010 in den Goodie-Bags einer Veranstaltung war. Und ich bin echt nicht undankbar. Schenke selbst in die Ramazotti-Gläser jeden Morgen brav meinen O-Saft ein…
Walker
Nein, damit meine ich nicht die Serie “Walker, Texas Ranger” mit Chuck Norris. Sondern eine neue Spezies Mensch.
Nachdem sie bei Wikipedia noch nicht erfasst ist, wollte ich in diesem Blog Aufklärung bieten.
Definition: “Person, die wechselnde prominente Persönlichkeiten auf öffentliche Veranstaltungen begleitet und dadurch selbst zum Semi-Prominenten wird. Oftmals fälschlicherweise als Best oder Good Friend bezeichnet.”
In den USA ist dies schon länger eine angesagte Form, Aufmerksamkeit zu erhalten, obwohl man vorher nicht bekannt war und auch im Endeffekt nichts leistet, was für die Presse interessant ist. So ist Kim Kardashian (was macht die eigentlich?) nur bekannt geworden, nachdem sie einige Male mit Paris Hilton über den roten Teppich gelaufen ist. Dass die beste Freundin nun eine Ex-Beste-Freundin geworden ist, weiss man spätestens seit der MTV-Serie, wo Frau Hilton eine neue beste Freundin sucht. Was wiederum aus der Gewinnerin geworden ist, müßte man googeln.
Auffallend ist nur, dass dieses “Walker-Syndrom” nun scheinbar auch nach Deutschland überzuschwappen scheint. Und nachdem ja gerade August, sprich Sommerloch ist, sieht man solche Walker (meistens WalkerInnen) momentan vermehrt in der Yellow Press. Mit so schönen Bezeichnungen wie “Ex-Model” oder “PR-/Event-Lady”. Beides Bezeichnungen, die man schnell erhaschen kann. Wer hat nicht mit 15 mal eine Foto-Love-Story mitgemacht oder bei der Organisation einer Veranstaltung geholfen, selbst wenn es nur der eigene Geburtstag war?
Spannend wird´s wahrscheinlich dann, wenn Walker und WalkerIn sich näher kommen. Sobald ich dann einen Neologismus für dieses Phänomen gefunden habe, werde ich berichten.
Weil ich vor kurzem am Grab war…
…und früher fast alle Songtexte auswendig konnte.
Und James Douglas Morrison einfach großartig war.
Père Lachaise ist der größte und bekannteste Friedhof in Paris. Für zwei Euro kann man einen Stadtplan kaufen, damit man überhaupt einen Überblick erhält, welcher Prominente wo begraben liegt.


Édith Piaf, Oscar Wilde, Yves Montand, Fréderic Chopin – das einzige Grab jedoch, welches abgesperrt ist, ist das von Jim Morrison. Irgendwie schlägt das Herz der Menschen fürs Rebellentum dann doch stärker als für den Intellekt.



Deutschland hat ein Enfant Terrible weniger.
Obwohl ich mich wirklich für das Mediengeschehen in Deutschland interessiere, gab es eine Person, der ich irgendwie keine große Beachtung geschenkt habe, obwohl man eigentlich nicht an ihre vorbeikommen konnte.
Anfangs lag es daran, dass ich einige Aktionen seltsam fand, später, als seine Aktionen zum Denken statt zum Krawall anregen sollten, habe ich ihn einfach übersehen. Vielleicht habe ich auch einfach den Übergang verpasst, wo er vom Selbstdarsteller zum Sprecher der Minderheiten wurde.
Gestern ist Christoph Schlingensief – wie wir euphemistisch zu sagen pflegen – von uns gegangen. Und plötzlich entdecke ich mich, wie ich bei Google seinen Namen eingebe und Interesse für diesen Künstler entwickle.
Wahrscheinlich ist das vergleichbar mit einem Maler, dessen Bilder erst interessant werden, wenn er nicht mehr lebt.
Was ich jetzt merke: Er war irgendwie wichtig für Deutschland, denn obwohl seine Aktionen teilweise skurril wirken, haben sie dennoch an der Moral der Menschen gerüttelt.
In einem seiner letzten Interviews hat er erwähnt, dass Energie nicht verloren geht. Vielleicht hat er recht. der Beweis liegt wahrscheinlich schon allein in meiner Recherche für diesen Eintrag.
R.I.P. Christoph Schlingensief

Ps: Schlingensief ist an Lungenkrebs gestorben. Er war Nichtraucher.
Ein sehr umstrittenes Plakat…
aber ich mags…
Weil diese ganze Gezüchter- und Stammbaum-Getue bei Haustieren völlig unnötig und überbewertet ist.

“Le mieux est l´ennemi du bien.”

Das Bessere ist der Feind des Guten. (Voltaire)
Passt irgendwie wie die Faust auf´s Auge zum Thema dieses Blogs.
Nicht nur jeder Mensch…
…sondern auch jede Stadt riecht irgendwie anders.

Paris ganz besonders. Sogar im Hotel, das seinen eigenen Duft kreiert hat, kommt man sich vor wie in einem besseren Abercrombie-Shop. Strange, wenn es dann daheim wie im Pariser Hotel riecht.
Gibt man “Joggen Paris” bei Google ein, meinen die meisten sportlichen Menschen, dass man an der Seine nicht besonders gut laufen kann. Kopfsteinpflaster, zu viele Menschen. Vielleicht liegt es daran, dass Paris gerade für seine Verhältnisse leer ist. Sommerzeit. Aber ich fand die Strecke am Fluß wunderschön. Gerade zum Laufen. Aber auch dort steigt einem alle paar Meter ein süßlicher Duft in die Nase. Woher er kommt: keine Ahnung. Normalerweise flüchte ich, wenn jemand nach süßlicheren Düften wie “Obsession” oder “Angel” riecht. Zu dieser Stadt passt es.
Wie man bei einem 75-jährigen Mann Gänsehaut bekommen kann…
habe ich heute erst wieder gemerkt. Ich war nämlich in Salzburg auf dem Leonard Cohen-Konzert.
Man kann von Glück sprechen, dass der in Montreal geborene Komponist und Sänger während er in einem buddhistischen Kloster sass um sein ganzes Geld betrogen wurde – denn so ist er seit rund drei Jahren wieder gezwungen, auf Tournee zu gehen. Wobei ihm das scheinbar Spass machen muss – immerhin hat er drei Stunden auf der Bühne gestanden und ein mega Konzert abgeliefert.
Auch genial: Cohens Song “The Future”, der auch Soundtrack bei Oliver Stones 1994 erschienenen Film “Natural Born Killers” war. (Basiert übrigens auf einem Drehbuch von Quentin Tarantino!)
Während er in den 60-er Jahren seine Tage im bekannten Chelsea Hotel in New York verbrachte (später setzte er mit dem Lied “Chelsea Hotel No. 2 dem Hotel ein Denkmal) landete er später in einem Zen-Kloster in der Nähe von Los Angeles. Ein Leben zwischen zwei Extremen – seine Songs dafür sind durchgehend genial.
Danke für diesen wunderschönen Abend!

My Space. Ja. Die Frage ist dämlich. Aber ich hätte auch ne Frage: Wie ist nochmal die Email-Adresse deiner Freundin???
19.07.2010 18:20
An: Tina Kaiser
Hi Tina,
wow…Du bist einfach sowas von umwerfend! Ich glaube ich bin wirklich Dein größter Fan…obwohl Du das wahrscheinlich ständig hörst;-) Aber ehrlich, ich finde Dich wirklich wundervoll, Du bist echt ein Hammer, so verdammt sexy!
Ich hab mal ne Frage, die wahrscheinlich sehr dämlich ist, aber ich versuchs einfach mal.
Meine Freundin ist übers Wochenende auf nem Jungesellinnen-Trip und lässt mich quasi ganz allein zurück und da fragte ich mich, ob es eigentlich möglich sei, mit Dir vielleicht ein Webcam-Date zu arrangieren?
Kannst Dich ja vielleicht mal melden, ob so was überhaupt möglich ist und Du vielleicht Lust dazu hast…
Bis dahin kann ich nur sagen: Weiter so!!!
Tausend Grüße,
Alex
Schwarz auf Weiss. Oder doch eher Grau.
Günter Wallraff, deutscher Enthüllungsjournalist, hat einen neuen Film gedreht. Vorab muss man eins sagen: Ich habe allergrößten Respekt vor der Arbeit Wallraffs, ist er doch einer der wenigen, die sich Jahrzehntelang unbeliebt gemacht haben, indem er heikle Themen aufgedeckt und uns Deutschen den Spiegel vorgehalten hat. Also habe ich mit großen Interesse “Schwarz auf Weiss” gesehen – um letztendlich festzustellen, dass mir Grau doch um Einiges besser gefällt.
Kurz zum Inhalt: Wallraff verkleidet sich als Somalier Kwami Oggono und versucht auf seinen diversen Deutschlandstationen zu klären, wer immer noch Angst vor´m Schwarzen Mann hat. An und für sich ein guter Ansatz, wenn sich Wallraff nicht genau an die Orte in unserem Land begeben würde, wo er sich die Schuhcreme im Gesicht sparen könnte und bereits jeder halbswegs soziologisch geschulte Mensch im Vorfeld in der Lage wäre vorherzusagen , wie der Test ausgeht. So schließt er sich einer Senioren-Wandergruppe an, besucht ein Energie Cottbus-Spiel oder versucht, Kontakte bei der Kölner Schutzhundestaffel zu schließen. Dass er hierbei nicht immer mit offenen Armen empfangen wird, ist zu erwarten und scheinbar auch beabsichtigt. Denn Wallraf aka Kwami erscheint manchmal so aufdringlich, dass die Hautfarbe letztlich wahrscheinlich keine Rolle mehr spielt und man das Gefühl hat, die Menschen wollen einfach nicht bedrängt werden und ihre Intimsphäre wahren.
Und so wird aus einem gut gemeinten Versuch ein trauriger. Denn Wallraff will unbedingt gehasst werden. Man hat das Gefühl, er will uns Deutschen fast absichtlich ein schlechtes Image verpassen – denn, mal ganz offen gesagt: Ein anderes Ergebnis hätte dazu geführt, dass der Film noch gar nicht einmal auf DVD herausgekommen wäre. So hat man nach 86 Minuten wackligen Bildern das Gefühl, man müsse es zukünftig akzeptieren, wenn sich Einem ein fremder Mensch beispielsweise im Biergarten fast auf den Schoß setzt. Schließlich könnte dieser ja eine andere Hautfarbe und eine versteckte Kamera haben.
Vuvuzela
Deutschland führt mal wieder Krieg. Nachdem der letzte Gegner - ein isländischer Vulkan – nicht aussprechbar und noch irgendwie auf umwelttechnische Gründe zurückzuführen war, ist der aktuelle Gegner greifbar und man kann sich sogar seinen Namen merken. Einfach an einen ehemaligen deutschen Fußballstar denken, eine Eselsbrücke bauen, und schon ist die Vuvuzela in aller Munde. Und das momentane Hassobjekt der Deutschen.
Nun meldet sich in der BILD das erste wirkliche Opfer zu Wort. Sven W. aus Rommerskirchen (NRW) heisst es, und der Gedanke liegt nahe, dass dieser junge Mann selbst ohne Vuvuzela-Hörschaden nicht besonders gesund aussieht.
Und irgendwie ist doch alles gut. Wenn es nichts anderes gibt, worüber wir Deutsche klagen, lamentieren und schimpfen dürfen, ausser ein paar laute südafrikanische Tröten, dann muss die Welt doch gerade verdammt in Ordnung sein. Solange das Hassobjekt der Deutschen ein trompetenfömiges Blasinstrument aus Plastik ist, müssen wir uns nun wirklich keine Sorgen machen. Ausser vielleicht wegen unserer Toleranz, den beim ganzen Lamentieren darf man einfach nicht ausser Acht lassen, dass die südafrikanische Mentalität mit unserer genauso vergleichbar ist wie eben eine Pauke mit einer Triangel – nämlich gar nicht.
Denn die Südafrikaner leben einfach nach dem Motto “Je lauter, desto besser”.
Selbst der ehemalige Staatspräsident Nelson Mandela ließ hunderte Vuvuzelas nach Zürich mitbringen, als dort über die Vergabe der Fußball-WM 2010 entschieden wurde.
Da versuchen wir so international und weltoffen wie möglich zu sein, und kaum werden wir mit einer unerwarteten Geräuschkulisse konfrontiert, schmeissen wir alle guten Vorsätze über den Haufen und verschwenden mehr Energien beim Vuvuzela-Wahn als bei jeder Bundeskanzler-Wahl.
Heute hatte ich den Stein des Anstosses das erste Mal in den Händen. Ganze zehn Minuten hab ich gebraucht, um aus dieser langen Tröte einen Ton rauszubekommen. Und der war alles andere als laut. Scheinbar hat mir da jeder Südafrikaner etwas voraus.
Kunst für einen Euro…
Es ist schon erstaunlich, wieviel Möchtegern-Intellekt man sich für einen Euro kaufen kann. Soviel kostet nämlich an Sonntagen der Eintritt in die Münchner Museen. Und dementsprechend lang sind dann auch die Schlangen an den Kassen. Während die Meisten den Namen Neo Rauch vor einigen Monaten noch niemals gehört haben, weiss nun spätestens seit der BILD-Berichterstattung jeder zweite Deutsche, dass Herr Rauch einer ist, den man kennen sollte. Schließlich wird er dieses Jahr auch noch 50 und unser Aussenminister ist ein großer Befürworter seiner Kunst.
Mit der “Mehr Schall als Rauch”-Attitüde bin ich dann auch in die Münchner Rauch-Ausstellung “Begleiter” hineinspaziert. Um letztendlich voller Demut und Enthusiasmus wieder herauszugehen. Ich gebe zu: Es war das erste Mal, dass ich einen Aufseher gefragt habe, ob es nicht einen Walkman mitsamt Kopfhörer gibt, um sich die Bilder en Detail erklären zu lassen.
Aber Neo Rauch will das nicht. Und so stehen Möchtegernkunstkenner mit ihrem halben Dreiviertelwissen – wie ich es zugegebenermaßen auch einer bin – vor den 60 Bildern, und fühlen sich entlarvt. Weil man immer der Meinung war, mehr zu wissen als der Kunst-für-ein-Euro-Besucher, ja auf über diesen sich latent amüsiert und darüber erhoben hat, um plötzlich festzustellen, dass man selbst keine Ahnung hat.
Wie bei diesem Bild hier mit dem passendem Titel “Das Blaue” von 2006. Ich schliesse mich einer Führung an. Ein Kunsthistoriker hat eigens für die Ausstellung die Page www.neo-rauch-verstehen.de gemacht. Weil er wahrscheinlich auch gemerkt hat, dass den Künstler kaum einer versteht. Dementsprechend viele Leute lauschen auch seinen Ausführungen. Und selbst die können zu Verwirrungen führen. Drei Ebenen in einem Bild, wo ich froh bin, überhaupt einmal zwei zu erkennen.
Ich verlasse die Pinakothek der Moderne. Und habe zum ersten Mal das Gefühl, auch nicht mehr Ahnung zu haben, als die Hausfrau, die eben noch aus der BILD-Zeitung erfahren hat, dass Neo Rauch eben einer ist, den man gesehen haben sollte.







