Archive for August, 2010
Unterschied

Und es gibt ihn doch. Einen Unterschied zwischen den teuren Designern auf der Münchner Maximilianstrasse und den Billig-Ketten wie H&M, Zara oder wie sie alle heissen. Das weiss man spätestens, wenn man in der Yves Saint Laurent Ausstellung im Pariser Petit Palais war. Vierhundert Meter Schlange, um überhaupt reinzukommen. Warum ist das Interesse der Franzosen an einer Designer-Ausstellung so viel größer, wie wenn man diese Ausstellung in Deutschland machen würde? Gute Frage, keine Antwort.
Viele Nationalitäten, fast jeder mit einem Audioguide in der Hand, vorwiegend Frauen, ansonsten schwule Männer.
Statt Bilder: Kostüme, welche die 40-jährige Designertätigkeit von Yves Saint Laurent repräsentieren.

Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Saint Laurent ihnen die Power. Wie wahr. Wunderschöne Roben, sensationelle Schnitte, leider auch etwas Pelz.
Was ich persönlich am Spannendsten fand war das Atelier des Designers: Es war durch eine Spiegelwand aufgeteilt in Real Atelier und Mind Atelier. Ein Teil zum Arbeiten, der andere für Brainstorming.
Saint Laurent war übrigens des erste Schöpfer eines Parfüms, der für seinen Duft persönlich warb – und das nackt.

Paris ist wie eine wunderschöne Frau…
sie kostet Zeit, Geld und Nerven. Und ist manchmal etwas anstrengend.
Aber dennoch extrem faszinierend.

Du sollst lügen.

Er kommt mal wieder aus Frankreich. Der Film, bei dem Gedanken an schöne Momente die Tränen in meinen Augen unterdrücken sollten. Und irgendwie verstehe ich das Ganze nicht. Denn selten habe ich gleichzeitig so viel gelacht und das Gefühl gehabt, eine nette Slapstick-Komödie zu schauen. Und dennoch war ich betroffen. Wie der in Paris lebende Regisseur Radu Miahileanu dies geschafft hat, weiss am Ende von seinem Film “Das Konzert” wahrscheinlich keiner so wirklich. Vielleicht ist es die Mischung aus wunderschöner Tschaikowsky-Musik und dem Wunsch, dass der Protagonist die Ehre und den Applaus erhält, die ihm 30 Jahre zuvor verwehrt worden sind.
Es geht um einem russischen Dirigenten, dem 1980 alles genommen worden ist, weil er jüdische Musiker beschäftigt hat. Mit Hilfe einer Lüge schafft er es, sein altes Orchester zu reaktivieren um mit diesem in Paris ein Konzert aufzuführen. Normalerweise verachten wir Menschen, die vorgeben, etwas zu sein, das sie nicht sind. Den Hauptdarsteller Andreï Filipov lieben wir dafür. Weil man realisiert, dass er dadurch erst sein kann, wer er wirklich ist und die 30 Jahre im Leben eines jeden Orchester-Musikers eine erzwungene Lüge waren.
Das Spannende daran ist, dass das Leben des Regisseurs geprägt von solchen positiven Lügen ist. Bereits in Miahileanus erstem bekannten Film “Zug des Lebens” geht es um die Vortäuschung falscher Tatsachen. Auch in seinem nächsten Film “Geh und lebe” gibt sich der Hauptdarsteller als Jemand aus, der er gar nicht ist. Warum dem Regisseur die Aushebelung des “Du sollst nicht Lügen”-Gesetzes so wichtig zu sein scheint, realisiert man nach kurzer Recherche seiner Biografie. Miahileanus Vater hiess eigentlich Mordei Buchmann. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg aus dem Arbeitslager geflohen war, gab er sich als Ion Mihailean aus, um seine jüdische Identität zu verbergen.
Ein schöner, unbedingt sehenswerter Film, der auf erstaunliche Weise das 8. Gebot ausser Kraft setzt.
Happy Birthday Clodia

Ich hab sie nur einmal live gesehen. Beim Dreh von “666 – Traue keinem, mit dem du schläftst!” habe ich mir als Studentin ein paar Mark dazu verdient. Als Lichtdouble von ihr. 1000 Mark gabs dafür. Sie sollte aus den Bett fallen. Was sie dann auch selbst gemacht hat, nachdem ihr Schauspielcoach ihr ins Gewissen geredet hatte.
Ich kann mich noch dran erinnern, wie es damals alle spannend fanden, sie “live” zu sehen und zu begutachten. Was eher ungewöhnlich war, weil man ja ständig mit Stars zusammenarbeitete. Und wie Kommentare fielen wie: “Sie zieht das Negligée nur an, wenn es ihre Knie bedeckt – die müßte doch als Model alles tragen!” Und dennoch war sie irgendwie Besonders und strahlte einen internationalen Touch aus, den leider nicht viele Deutsche haben.

Happy Birthday zum 40. Geburtstag.
Was ist das?

1. eine Slipeinlage für übergewichtige Frauen?
2. ein Utensil für läufige Hündinnen?
oder
3. ein neuartiger Küchenschwamm?
Nichts von alledem und meiner Meinung nach noch viel unsexier als alle drei oben angeführten Sachen zusammen:
Ein Achselpad. Das dann verpackt so aussieht:

Sprich: Man löst das Pad von der Klebefolie, klebt es in das Kleidungsstück (doof nur wenn man ein Tanktop trägt) und dieses Teil saugt dann laut Beschreibung die Feuchtigkeit des Achselbereiches auf – hohe Saugfähigkeit und diskreter Tragekomfort übrigens garantiert.

Meiner Meinung nach das unsinnigste und unerotischste Präsent, dass im Jahr 2010 in den Goodie-Bags einer Veranstaltung war. Und ich bin echt nicht undankbar. Schenke selbst in die Ramazotti-Gläser jeden Morgen brav meinen O-Saft ein…
Walker
Nein, damit meine ich nicht die Serie “Walker, Texas Ranger” mit Chuck Norris. Sondern eine neue Spezies Mensch.
Nachdem sie bei Wikipedia noch nicht erfasst ist, wollte ich in diesem Blog Aufklärung bieten.
Definition: “Person, die wechselnde prominente Persönlichkeiten auf öffentliche Veranstaltungen begleitet und dadurch selbst zum Semi-Prominenten wird. Oftmals fälschlicherweise als Best oder Good Friend bezeichnet.”
In den USA ist dies schon länger eine angesagte Form, Aufmerksamkeit zu erhalten, obwohl man vorher nicht bekannt war und auch im Endeffekt nichts leistet, was für die Presse interessant ist. So ist Kim Kardashian (was macht die eigentlich?) nur bekannt geworden, nachdem sie einige Male mit Paris Hilton über den roten Teppich gelaufen ist. Dass die beste Freundin nun eine Ex-Beste-Freundin geworden ist, weiss man spätestens seit der MTV-Serie, wo Frau Hilton eine neue beste Freundin sucht. Was wiederum aus der Gewinnerin geworden ist, müßte man googeln.
Auffallend ist nur, dass dieses “Walker-Syndrom” nun scheinbar auch nach Deutschland überzuschwappen scheint. Und nachdem ja gerade August, sprich Sommerloch ist, sieht man solche Walker (meistens WalkerInnen) momentan vermehrt in der Yellow Press. Mit so schönen Bezeichnungen wie “Ex-Model” oder “PR-/Event-Lady”. Beides Bezeichnungen, die man schnell erhaschen kann. Wer hat nicht mit 15 mal eine Foto-Love-Story mitgemacht oder bei der Organisation einer Veranstaltung geholfen, selbst wenn es nur der eigene Geburtstag war?
Spannend wird´s wahrscheinlich dann, wenn Walker und WalkerIn sich näher kommen. Sobald ich dann einen Neologismus für dieses Phänomen gefunden habe, werde ich berichten.
Weil ich vor kurzem am Grab war…
…und früher fast alle Songtexte auswendig konnte.
Und James Douglas Morrison einfach großartig war.
Père Lachaise ist der größte und bekannteste Friedhof in Paris. Für zwei Euro kann man einen Stadtplan kaufen, damit man überhaupt einen Überblick erhält, welcher Prominente wo begraben liegt.


Édith Piaf, Oscar Wilde, Yves Montand, Fréderic Chopin – das einzige Grab jedoch, welches abgesperrt ist, ist das von Jim Morrison. Irgendwie schlägt das Herz der Menschen fürs Rebellentum dann doch stärker als für den Intellekt.



Deutschland hat ein Enfant Terrible weniger.
Obwohl ich mich wirklich für das Mediengeschehen in Deutschland interessiere, gab es eine Person, der ich irgendwie keine große Beachtung geschenkt habe, obwohl man eigentlich nicht an ihre vorbeikommen konnte.
Anfangs lag es daran, dass ich einige Aktionen seltsam fand, später, als seine Aktionen zum Denken statt zum Krawall anregen sollten, habe ich ihn einfach übersehen. Vielleicht habe ich auch einfach den Übergang verpasst, wo er vom Selbstdarsteller zum Sprecher der Minderheiten wurde.
Gestern ist Christoph Schlingensief – wie wir euphemistisch zu sagen pflegen – von uns gegangen. Und plötzlich entdecke ich mich, wie ich bei Google seinen Namen eingebe und Interesse für diesen Künstler entwickle.
Wahrscheinlich ist das vergleichbar mit einem Maler, dessen Bilder erst interessant werden, wenn er nicht mehr lebt.
Was ich jetzt merke: Er war irgendwie wichtig für Deutschland, denn obwohl seine Aktionen teilweise skurril wirken, haben sie dennoch an der Moral der Menschen gerüttelt.
In einem seiner letzten Interviews hat er erwähnt, dass Energie nicht verloren geht. Vielleicht hat er recht. der Beweis liegt wahrscheinlich schon allein in meiner Recherche für diesen Eintrag.
R.I.P. Christoph Schlingensief

Ps: Schlingensief ist an Lungenkrebs gestorben. Er war Nichtraucher.
Ein sehr umstrittenes Plakat…
aber ich mags…
Weil diese ganze Gezüchter- und Stammbaum-Getue bei Haustieren völlig unnötig und überbewertet ist.

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