Archive for Oktober, 2010

Vielleicht hätte er doch weiter kiffen sollen…


Normalerweise gilt im Filmbusiness die einfache Formel: Ist ein Film erfolgreich, wird relativ schnell ein zweiter Teil produziert, der leider in 90 Prozent aller Fälle nicht an den ersten Part herankommt.
Wenn allerdings ganze 23 Jahre zwischen ersten Teil und Fortsetzung vergehen, ist dies schon eine Besonderheit, die mit der Erwartung einhergeht, dass in diesem Fall die 90-Prozent-Formel ausser Kraft gesetzt wird.
Zumal Wall Street ja auch von Oliver Stone ist, dem Regisseur, der mit “Platoon”, “JFK” und “Natural Born Killers” Filmgeschichte geschrieben hat. Insofern habe ich mich nach zweimaligem Verschieben des Starttermins echt auf “Wall Street – Geld schläft nicht” gefreut und mir voller Vorfreude Tickets für die Originalversion besorgt. Um dann enttäuscht wieder aus dem Kinosaal zu gehen. Die Spannung des Films ist vergleichbar mit den permanent im Film gezeigten Börsenkursen: Die gehen nie wirklich nach oben, aber stürzen am Schluss rapide ab. Oliver Stone versucht Michael Douglas als abgefuckten,geldgierigen Börsenguru zu zeigen, der aber letztendlich doch nur Schmusekurs fährt. Und Carry Mulligan (bekannt aus “An Education”), die Gordon Gekkos Tochter darstellt, weiss zwar, wie man schauspielert, aber ihr wurden im Film alle Adjektive verpasst, die ihr Vater nicht besitzt, so dass man sie sich ebenso auf einer Anti-Atomenergie-Demo mit einem Müsli-Riegel in der Hand vorstellen kann und sie insofern das genaue Gegenteil von “Sexiness” verkörpert.
Und so schläft in der Fortsetzung zwar das Geld nicht, aber der Zuschauer am Ende des Streifens – wenn nicht sogar schon mitten im Film – ein. Was schade ist – wenn man bedenkt, wieviel die aktuelle wirtschaftliche Lage doch schon alleine an Input bietet, um auch im zweiten Teil ein bissiges und ironisches Spiegelbild der kapitalistischen Gesellschaft zu erschaffen.
In einem “Spiegel”-Interview hat Oliver Stone stolz erzählt, dass er extra vor dem neuen “Wall Street”-Film aufgehört habe, regelmäßig Dope zu rauchen, da er für den ganzen Finanzkram einen klaren Kopf gebrauche. Irgendwie scheint ihm dabei nicht aufgefallen zu sein, dass es in seinem Film aber letztendlich mehr um einen Familientwist als die Entlarvung der modernen achten Todsünde, der Gier, geht.

Freitag, Oktober 29th, 2010 Allgemein 2 Kommentare

Die Vergangenheit ist die Zukunft


Es war genau wie vor 16 Jahren. Eine Riesenmenschenmenge, es ist kalt und ich kenne keinen Türsteher. Damals lag´s daran, dass ich noch nie drinnen war, gestern daran, dass ich verdammt lang nicht mehr drinnen war. Irgendwie hat´s dann doch geklappt und ich bin in den Räumen des neu umgebauten P1. Und bin das erste Mal seit langem wieder begeistert. Es ist wieder viel kleiner, gemütlicher und schicker. Und ein wichtiger Ort, der in der internationalen Restaurant- und Clublandschaft schon länger Beachtung findet, ist hier auch besonders liebevoll gestaltet worden: die Toiletten. Für die Frauen gibt es Separees, wo sie sich zu zweit zurückziehen und selbst zwischen den einzelnen Toilettenräumen mit Hilfe einer Durchreiche Kontakt halten können. Bei den Männern wurde die Liebe zum Baum beachtet. Sprich: Man pinkelt gegen einen Baum und kann zeitgleich noch Sachen in die Rinde ritzen. Hiermit wäre mal wieder bewiesen, dass Männer im angetrunken Zustand sich bei den subtilsten Sachen am wohlsten fühlen. Womit wir beim Thema Frauen wären. Viele Ladies scheinen die “Je-Desto-Formel” verinnerlicht zu haben. Was soviel bedeutet wie je weniger sie anhaben, desto mehr Getränke bekommen sie ausgegeben. Scheint sowohl für Singlemänner als auch für schlecht arbeitende Models ein perfektes Agreement zu sein. Eine der wenigen Ausnahmen scheint mein Single-Freund Flo zu sein. Selbst nach etlichen Gläsern Gin Tonic lies er nur verlauten, dass er sich heute immer noch nicht verliebt habe und wollte einer Frau, die kaum was anhatte, statt einem Drink lieber etwas zum Anziehen kaufen. Und auch wenn Ruinart ruiniert und viel nackte Haut noch nicht zu viel Glück führt war es ein lustiger Abend. Oder gerade deshalb.

Freitag, Oktober 22nd, 2010 Allgemein 3 Kommentare

BerlinEinsMünchenNull

Als gebürtige Münchnerin vergesse ich ja nie zu betonen, dass München die schönste Stadt der Welt ist und versuche dies mit diversen Statistiken, die in den letzten Jahren von unterschiedlichen Magazinen erstellt worden sind, zu untermauern.
Seit heute Nachmittag jedoch hat meine Welt- oder eher Städteanschauung einen kleinen Riss erhalten.
Ob das an den Vorteilen der einen oder an den Defiziten der anderen Stadt liegt ist unklar. Auf alle Fälle war ich in der Peter Lindbergh Ausstellung im C/O Berlin in der Oranienburgerstrasse. Das ehemalige kaiserliche Postfuhramt wurde vor einigen Jahren zur privaten Galerie umfunktioniert und ist meines Erachtens nach einer der heissesten Hot Spots, den die Hauptstadt zu bieten hat. Dass Lindberghs Fotografien sehr gut bis sensationell sind, versteht sich von selbst. Aber genauso, wie selbst der beste Film auf einem kleinen Röhrenfernseher langweilig wirken kann, haben Bilder in einer coolen Galerie halt auch dementsprechend eine andere Wirkung.

Und das C/O passt perfekt zu Berlin, denn es ist Berlin. Während man sich in allen Münchner Ausstellungsräumen jedes Mal kurz dabei ertappt, sich vorzustellen, in den Gebäuden selbst zu wohnen, möchte man in das ehemalige Postfuhramt definitiv nicht einziehen. Ein uralter Boden, überall Stromkabel an den Wänden. Und den Lichtschalter lässt man aus Angst vor einem Stromschlag auch lieber in Ruhe.

Aber genau das nennt man wohl Flair. Weil es cool ist, wenn man beim Betrachten der Fotografien plötzlich einen Basketball-Korb an der Decke entdeckt und sich fragt, ob die Postbeamten sich früher in ihren Mittagspausen sportlich betätigt haben.

Sonntag, Oktober 17th, 2010 Allgemein 3 Kommentare

Die Welt ist manchmal unfair…

Es gibt einfach Gegebenheiten, die sich im Laufe der Zeit in der Gesellschaft so manifestiert haben, dass sie irgendwie zum Gesetz geworden sind. So fahren Männer besser Auto (auch wenn Statistiken etwas anderes behaupten), dafür tragen sie jeden Tag das Selbe, und wenn es nicht das Selbe ist, schaut es zumindest gleich aus. Frauen hingegen haben ein besseres Gespür für Sachen, da sie intuitiver denken und sortieren ihren Kleiderschrank nach Pullifarben und Oberteillängen. Und so ist es halt auch Gesetz, dass Frauen ab und an Push-Up-BHs tragen, während Männer täglich in die gleiche Farbe ihres BOSS-Schlüpfers hüpfen und man als Frau froh sein kann, wenn dieser zuvor die Waschmaschine von innen gesehen hat. Was dann so ausschaut:

Ein pfiffiger Designer hat nun versucht, dieses Gesetz ausser Kraft zu setzen und eine Unterhose erfunden, die sich “Bodymax” nennt und aus dem besten Stück des Mannes das Maximum rausholen – oder besser gesagt – verbergen soll. Während Frau im Allgemeinen im Laufe des Lebens gerne mal ein paar Zentimeter unter den Tisch fallen lässt, sind die Männer wiederum erpicht darauf, diese zu gewinnen. Bedeutet: Die Fake-Unterhose täuscht ein XL-Gemächt vor, was dann folgendermaßen aussieht:

Ähnliches gibt es dann auch für die männlichen Defizite hintenrum. So schaut dann das Model “Bodymax + Bum Lift Pant” aus:

Wobei mich dieses Model eher an eine Radfahrhose erinnert, die ich jeden zweiten Tag in der Spinnning-Stunde bestaune. Prinzipiell finde ich es ja gut, wenn Leute innovative Ideen haben, mit denen sie sowohl der Menschheit (dieses Mal eher der Männlichkeit) helfen als auch ganz viel Geld verdienen möchten. Womit wir wieder bei den Gegebenheiten sind, die sich zum Gesetz etabliert haben. Erstens: Der Durchschnittsmann besitzt 19 Unterhosen, wobei die mittlere Lebensdauer eines Slips bei sage und schreibe sieben Jahren plus einer Zweitnutzungsdauer von vier Jahren liegt (sprich: Frau hat die Unterhose entführt und benutzt sie als Putzlappen). Zweitens kaufen 70 Prozent der Weibchen für ihr männliches Wesen die Unterwäsche – und welche Frau würde sich schon trauen, so ein Fake-Model ins Haus zu tragen um ihrem holden Gatten zu symbolisieren, dass es ruhig etwas mehr sein könnte?
Mein Fazit: Gut gemeinter Ansatz, aber definitiv schwierig in der Umsetzung.

Ps: Das Thema Push-Up-BH betrifft selbstverständlich nicht alle Frauen.

Donnerstag, Oktober 7th, 2010 Allgemein 5 Kommentare

So macht Kuscheln vor´m Kamin mal so richtig Spass…


Der israelische Künstler Boaz Arad hat einen etwas gewöhnungsbedürftigen Kaminvorleger entworfen. Bei näherer Betrachtung weiss man dann auch, warum manche Kunstgegenstände im Museum besser aufgehoben sind als Zuhause.

Sonntag, Oktober 3rd, 2010 Allgemein 4 Kommentare

Anleitung zum Suizid


Eins vorab: Es passiert wirklich äußerst selten, dass ich Kapitel bei einem Film, der eigentlich eine gute Kameraführung und exzellente Schauspieler hat, überspringe, weil ich es nicht erwarten kann, dass der Film endlich zu Ende ist. Ähnliche Probleme hatte ich schon beim Film “The Book of Eli” – der eine ähnliche apokalyptische Grundstimmung vermittelt – aber noch nicht ganz so depressive Gefühle erzeugt hat. Bei “The Road” war ich froh, als die knapp 112 Minuten endlich vorbei waren.
Inhalt: Ein Vater zieht mit seinem Sohn durch eine Welt, die eigentlich nicht mehr existiert. Die Mutter hat sich bereits umgebracht, Vater und Sohn versuchen sich an die Küste durchzuschlagen, wobei selbst zum Schluss nicht klar ist, ob dort wirklich Hoffnung auf ein besseres Leben besteht. Auf den Weg dorthin versucht der Vater den Sohn zur Menschlichkeit zu erziehen, welche er selbst aber bald nicht mehr praktizieren kann, da seine Handlungen aufgrund der Situation immer gewalttätiger werden und so der Junge letztendlich die Reden und Aktionen seines Vaters hinterfragen muss. Soweit, so gut. Philosophische Seite kapiert. Was ich jedoch nicht verstehe, ist die einfache Frage nach dem Warum. Warum soll man sich so einen Film ansehen, in dem ein Vater alle zehn Minuten die Knarre an den Kopf seines Sprösslings hält, um ihn im Notfall zu erschießen? Warum muss man sich Szenen ansehen, wo nackte Menschen im Keller gehalten werden, damit die Kannibalen diese verspeisen können? Und warum sollte ein Mensch in so einem apokalyptischem Horrorszenario überhaupt noch existieren wollen?
Die literarische Vorlage mit dem gleichen Titel hat den Pulitzerpreis gewonnen. Verständlich, dass man auf die filmische Umsetzung nicht lange warten muss. Wobei sich hier meines Erachtens die Frage stellt, ob man Buch nicht einfach auch mal Buch sein lassen kann, oder die imaginären Bilder eines jeden Lesers noch durch eine mega-depressive Verfilmung toppen muss.

Freitag, Oktober 1st, 2010 Allgemein 1 Kommentar