Archive for Januar, 2011
Die amerikanische Dichotomie
Irgendwie verstehe ich die Amerikaner manchmal nicht. Auf der einen Seite bringen sie so wunderschöne Filme wie “The Kids Are All Right” heraus, wo ein lesbisches Paar zwei Kinder hat und mit den normalen Alltagsproblemen einer Beziehung kämpft. Auf der anderen Seite verdeckt ein amerikanischer Supermarkt das Cover der neuen “US Weekly”, da dort Elton John mit seiner Familie abgebildet ist.
Angeblich soll das jugendliche Einkäufer protegieren. Dass man hiermit aber letztendlich bereits in jungen Jahren Intoleranz “züchtet”, scheint niemand zu bemerken. Oder noch schlimmer: Vielleicht ist dies sogar die Intention dahinter. Scheinbar ist es an manchen Orten der USA noch nicht durchgedrungen, dass solche Regenbogenfamilien die Welt bereichern und dafür sorgen, dass viele Menschen genau das ausleben dürfen, wonach sie sich sehnen und sich nicht – wie hier das Cover des Magazins – verstecken müssen.
Deutschland scheint zu wenig Stars zu haben
Auf dem grauen Teppich der Berliner Fashion Week werden jetzt schon pinke Pudel fotografiert. Bleibt zu hoffen, dass die nicht irgendwann im Dschungelcamp landen. Weil eigentlich gehören da eher die Besitzer hin.
Männer betrügen anders. Frauen auch.
Vier Menschen. Ein Paar. Zwei hübsche Singles. So das Grundkonzept von “Last Night”. Themen wie Eifersucht, Treue und Vertrauen tauchen ja in etlichen Filmen auf. Das Problem ist nur, dass es zwei Filme gibt, die diesen Bereich so genial abgedeckt haben, dass sich seitdem jeder Film mit “Untreu” und “Hautnah” messen muss. Eins vorab: An diese Filme kommt “Last Night” nicht ran. Dennoch kann sich das Erstlingswerk von Regisseurin und Drehbuchautorin Massy Tadjedin sehen lassen. Joanna (Keira Knightley) und Michael (Sam Worthington) führen seit drei Jahren eine eigentlich perfekte Ehe. Bis Joanna eines Tages auf einer Party argwöhnisch wird, als sie die neue Arbeitskollegin Laura (Eva Mendes) ihres Mannes kennelernt und sieht, wie vertraut die beiden miteinander umgehen. Nachdem sie ihm die ganze Nacht Vorhaltungen macht, stellt sich am nächsten Tag die Selbst Fulfilling Prophecy ein und Michael wird auf einer Geschäftsreise von seiner Kollegin verführt. Zufälligerweise trifft genau am gleichen Tag Joanna ihren nie vergessenen, aber oftmals verdrängten Exfreund Guillaume (Alex Mann) wieder. Die beiden verbringen ebenfalls die Nacht miteinander, gestehen sich ihre Liebe, jedoch ohne dies körperlich auszuleben.
Es ist ein spannendes, weil durchaus realistisches Thema. Denn unbestritten gibt es sie. Die Momente in einer Beziehung, wo es diverse Überlegungen gibt, meistens ausgelöst aufgrund des individuellen Strebens nach dem Superlativ gepaart mit der meist durch Alkohol ausgelösten Schwäche des menschlichen Körpers und Geistes. Manche Begegnungen sind wie ein Butterfly Effect. Einige Minuten können ein ganzes System nachhaltig radikal verändern. Die Frage, die in “Last Night” aufkommt, ist letztendlich eine oft gestellte, aber nie beantwortete: Ist physisches oder psychisches Fremdgehen schlimmer?
Ein Film, der definitiv zum Nachdenken anregt. Aber auch leider einige Schwächen hat. So ist die Einstellung, in der Keira Knightley verloren durch New York rennt und in der Menge fast verschwindet, eins zu eins von “Hautnah” abgekupfert. Und die Schwarz-Weiss-Malerei bei den Hauptdarstellern ist allzu plakativ. So stellt man der megadürren Keira Knightley die megasexuelle Eva Mendes gegenüber. Und Sam Worthington, der leider teilweise so verkrampft schaut, als würde er seine Soldatenrolle in “Avatar” noch nicht ganz aufgeben wollen, bekommt einen spießigen Beruf aufoktroyiert, während sein Konkurrent ein erfolgreicher Schriftsteller mit Dackelblick ist. Ein weiteres Desaster ist die deutsche Übersetzung. Aber dafür kann der Film nichts, eher die Stadt München, da sie einfach zu wenig Filmtheater hat, die Filme in der Originalversion zeigen. Denn Sätze wie “Ich beendete gerade mein Buch” hört man – wenn überhaupt – nur noch im Theater.
明けましておめでとうございます
Was soviel heisst wie “Ein gutes Neues Jahr”. Nur eben auf japanisch. Nach einer Woche Aufenthalt in Tokio bin ich genauso Lost in Translation wie am ersten Tag – bei über 2000 Schriftzeichen kein Wunder, dass man es als Tourist niemals schaffen wird, elementare Dinge wie die Speisekarte oder einen Umgebungsplan zu lesen.
Aber manchmal ist es spannender, verloren als aufgehoben zu sein, die Kontrolle aufzugeben und sich einfach leiten zu lassen. Was in dieser Stadt wirklich wunderbar klappt. Noch niemals habe ich ein so freundliches, hilfsbereites und gut gelauntes Volk erlebt. Es ist Winter. Auch hier. Jeden Tag Sonne. Um die Zehn Grad. Wer krank ist, trägt freiwillig eine Maske, um seine Bazillen nicht zu verteilen. Ich denke man muss nicht alles mitmachen. Manchmal schlägt die Eitelkeit den Pragmatismus.
Japan ist ein Technik-Land. Wahrscheinlich sogar DAS Technik-Land. Selbst die Toilettensitze verfügen über ein eigenes Control-Panel. Zumeist kann man zwischen einer Sitzheizung und diversen “Unterboden-Wäschen” wählen.
Auch pragmatisch, aber stört zumindest nicht die Eitelkeiten des Menschen, sondern unterstützt dessen Bedürfnisse. Ansonsten stehen sämtliche Art von Automaten hoch im Kurs. Getränke, Spielzeug oder Essen – alles kann man per Knopfdruck kaufen oder buchen.


Und letztendlich existieren auch Hotelzimmer-Automaten, welche man in den sogenannten Love-Hotels finden kann. Im hippen Stadtteil Shibuya gibt einen sogenannten Love Hotel Hill, wo sich eine Unterkunft an die andere reiht. Man hat die Wahl zwischen “Rest” (einige Stunden) und “Stay” (die ganze Nacht). Zimmer mit Autoscootern, U-Bahn-Nachbauten oder alten Cadillacs sucht man hier allerdings vergeblich – laut Internet-Recherche soll es die nur noch in Osaka geben.

Ansonsten besteht gesamt Tokio nur aus Anime- und Manga-Figuren. Manche sind mehr, manche weniger angezogen…
Apropos angezogen: Japanische Frauen stehen total auf Kopfbedeckungen und schuluniform-mäßige Outfits. Das, was sie also an Stoff oben herum zu viel haben, wird unten herum wieder eingespart. Selbst im Winter sieht man hier so viele nackte Oberschenkel wie sonst nur in Miami im Hochsommer.
2011 ist übrigens passenderweise das Jahr des Hasen. In ganz Japan wird man mit Hasen-Accessoires überschüttet. Diese können sowohl technischen als auch religiösen Hintergrund haben.
Und obwohl ich keinerlei Ahnung von religiösen Dingen habe, bin ich von der Art und Weise, wie hier der Glaube zelebriert wird, völlig angetan. In Deutschland passiert es ehrlich gesagt äußerst selten, dass ich eine Kirche von innen sehe. Hier wird jeder Tempel (Buddhismus) oder Schrein (Shintoismus) inspiziert und sämtlicher Hokuspokus mitgemacht. Mega interessant war das am Neujahrstag. Für die Japaner sind die Tage um den Jahreswechsel (o-shogatsu) die wichtigsten Feiertage, Silvester wird im Kreis der Familie gefeiert, es gibt keine Feuerwerke. Am 1. Januar absolvieren Millionen von Japanern den ersten Schrein- oder Tempelbesuch im Neuen Jahr (hatsumode), um für Sicherheit und Glück für die Familie zu beten. Dafür stellen sie sich teilweise stundenlang an, um mit Hilfe eines dicken Strickes eine Glocke zu läuten.
Laut einem Shinto-Brauch kann man einen Pfeil (Hamaya) segnen lassen und sollte diesen anschließend in nordöstlichen und südwestlichen Ecken eines Hauses aufstellen, um Dämonen fernzuhalten.
Am Pfeil war eine Hasentafel dran. Eigentlich schreibt man da dann seine Wünsche drauf und hängt diese an eine Wand. Ich wollte meinen Hasen aber mit nach München nehmen und hab mir meinen Wunsch gedacht.
Tokio. Eine faszinierende Stadt mit supernetten und perfekt durchorganisierten Einwohnern. Die, wenn man ein klein wenig über das Hippie-Gen verfügt, vielleicht auf Dauer zu sehr durch Glattheit und Konformität glänzt. Andererseits sind das wohl genau die Attribute, die dafür sorgen, dass hier alles so harmonisch, sicher und perfekt abläuft.
WINTER SALE…
…der ganz besonderen Art habe ich gestern in Kyoto entdeckt. Irgendwie ist es schon seltsam. Da feiern die Japaner das Jahr des Hasen, eine winkende Katze soll Glück bringen und in allen Schreinen werden Tiere verehrt. Und dann werden Hunde und Katzen in Tiergeschäften auf ganz wenig Platz nur mit Papieruntergrund gehalten. Wir können definitiv viel von den Japanern lernen. Aber beim Thema Tierhaltung sind sie scheinbar völlig rückständig.
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