Archive for Mai, 2011
Irgendwie drehen grad alle am Rad

Letztens war meine Hündin Paula läufig. Bei jedem Gassigehen war ich nur noch damit beschäftigt, gamsige Rüden von ihr fernzuhalten. Da ist er – dachte ich mir – der Unterschied zwischen Tier und Mensch: Hund einfach triebgesteuert, weil jeglicher kognitiver Ansatz quasi nicht existent.
Dieser Gedanke wurde jedoch in Anbetracht der Schlagzeilen der letzten Monate ziemlich schnell über den Haufen geworfen. Denn wer dachte, Kachelmanns Vielweiberei, Berlusconis Bunga Bunga-Partys mit Mädels, die noch nicht einmal aktiv am Strassenverkehr teilnehmen dürfen und Tiger Woods Spiel mit zu vielen Bällen kann nichts mehr toppen, wurde eines Besseren belehrt. Und zwar von männlichen Kandidaten, fuer die die Steigerung des sexuellen Superlativs etabliert werden müsste.
Hier nun meine Top 4 der aktuellen “Ichschiessnichtnurdenvogelabsondernlassdenganzenteichexplodieren-Typen”:
Platz Nummer 4:
Charly Sheen. Weil er der einzige Mann ist, der bislang mehrere Frauen verprügelt, seine Ex-Freundin angeschossen, eine Nutte im Hotel vermöbelt hat und statt bestraft zu werden noch mehr Kohle und Zuschauer bekommt.
Platz Nummer 3:
Der Mann, der in den Boulevard-Blättern bislang nicht wirklich präsent war: Dominique Strauss-Kahn. Chef des IWF. Nun Ex-Chef. Weil er unter Verdacht steht, Dienstleitungen von einem Zimmermädchen eingefordert zu haben, welche definitiv nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehört haben.
Platz Nummer 2:
Die Jungs der Hamburg Mannheimer, jetzt ERGO Versicherung.
Die versucht haben, ihre Sex-Reisen ins osteuropäische Ausland noch steuerlich geltend zu machen und ergo jetzt Angst um Frau und Job haben müssen. Da bekommt das Wort Incentive-Reise doch gleich eine andere Bedeutung.
Platz Nummer 1:
Arnold Schwarzenegger alias der Sexinator. Der Mann, der Zeitmanagement neu definiert. Denn wer gleichzeitig eine Ehefrau und vier Kinder hat, sich nebenbei in 25 Jahren mindestens 13 Geliebte hält, ein uneheliches Kind mit dem Kindermädchen zeugt, als Bodybuilder und Österreicher in den Wahlkampf zieht und Governeur eines amerikanischen Bundesstaates wird, und das in einem Alter, wo der normale Mann für gewöhnlich in Rente geht, hat durchaus übermenschliche Fähigkeiten. Da kann es schon mal passieren, dass man vergisst, bei einer jungen Geliebten einen Blick auf den Ausweis zu werfen.
Bei Paula war der ganze Spuk übrigens nach drei Wochen vorbei. Wäre sie schwanger geworden – übrigens selbst gegen ihren und meinen Willen – hätte ich weder auf Schadensersatz noch auf Unterhalt klagen können. Es gibt ihn also doch – den Unterschied zwischen Mensch und Tier.
Der Wolf im Schafspelz…
oder auch: der neue Mitbewohner auf vier Pfoten.

Zwei Hundetrainingsstunden später, einige Nerven weniger.
In Kürze mehr…
“Vom Skorpion dem Skorpiönchen”
Diese Widmung steht in dem Buch, das ich vor mir liegen habe. Es heisst “Die Akte Astrologie”. Wenn ich ehrlich bin, habe ich es nie richtig gelesen. Heute habe ich es seit Jahren wieder aus dem Bücherregal gezogen. Aus einem traurigem Anlass heraus. Der Autor hat am Samstag Suizid begangen. Es war Gunter Sachs.

Es ist viele Jahre her. Ich hatte gerade mein Germanistik-Studium begonnen und als Model gearbeitet. Eines Tages hatte ich ein Casting in Heimstetten. Und irgendwie war ich aufgeregter als bei gewöhnlichen Castings. Denn es war bei ihm. Ich hatte damals noch keine richtige Ahnung, was er alles geschaffen hatte und wer er war. Ich wußte nur, dass er nicht irgendein lokaler Fotograf war, sonder DER Fotograf, mit dem alle Models damals zusammenarbeiten wollten. “Du hast ja auch Hasenzähne” sagte er beim Kennenlernen. Als ich etwas irritiert schaute, hatte er die Regung sofort verstanden und zeigte mir seine Fotos von Brigitte Bardot und Claudia Schiffer, die im Studio hingen. Die hatten auch Hasenzähne und ich war beruhigt. Gewonnen hatte ich damals, als er mich nach meinem Sternzeichen fragte. Meine Mutter hatte sich immer gewünscht, ich solle Waage werden. Aber daraus wurde nichts und sie musste mit einem Skorpion Vorlieb nehmen. Bei ihm hatte ich damit gepunktet. Denn auch er war Skorpion. Und im Gegensatz zu vielen anderen, die immer nach Sternzeichen fragen und versuchen, mit ihrem Halbwissen psychologische Gutachten zu erstellen, wusste er wirklich, wovon er sprach. Über drei Jahre hinweg untersuchte er, ob Astrologie nur ein Mythos ist oder es nachweislich Statistiken gibt, dass sich Angehörige der zwölf Sternzeichen in diversen Bereichen voneinander unterscheiden. Und sie tun es. Ich kann mich noch daran erinnern, als er mir erklärte, dass es bei Fischen eine höhere Selbstmordrate gibt als bei anderen Sternzeichen.

Gearbeitet haben wir letztendlich nie zusammen. Aber als ich gerade am Gehen war, bekam er einen Anruf, dass ein Freundin von ihm nicht zu seiner Weihnachtsfeier kommen könne. Nachdem er aber vehement auf eine Mann-Frau-Sitzordnung bestand, lud er mich ein. Es war ein bewegender Abend. Nur nette, interessante Menschen. Mein Tischnachbar war damals Monti Lüftner, der mir Tage später 100 CDS geschenkt hat, weil seine gesamte Wohnung nur aus CD-Türmen bestand. Nach dem Essen mussten sich alle Gäste seinen Lieblingsfilm anschauen. Ich weiss nur noch, dass es irgendein Schwarz-Weiss-Streifen war und ihn viele Gäste schon zum wiederholten Male vorgeführt bekamen.
Irgendwie musste ich seitdem oft an ihn denken. Weil er eine Kombination vereint hat, über die nur wenige verfügen: Ausstrahlung, Intelligenz und Anstand. Beim Lesen der Todesnachricht heute Mittag kam mir sofort in den Sinn, dass er krank gewesen sein muss – sonst hätte ein Mann wie er niemals Suizid begangen. In seinem Abschiedsbrief führt er die “ausweg-lose Krankheit A.” als Grund an, nicht mehr leben zu wollen. Wie schwer muss es für einen Mann sein, der ein Superlativ-Leben geführt hat, seinen geistigen Verfall vorauszusehen und Alzheimer ausgeliefert zu sein. Wer ein würdevolles Leben geführt hat, möchte auch in Würde gehen.
Viel Spass mit den Engeln da oben. Ich hoffe, sie haben blonde Haare und längere Frontzähne. Dann wird alles gut werden.

Demut Lektion Teil 1

Es ist schon seltsam. Da versucht man sein ganzes Leben cool, souverän und entspannt zu sein und dann schafft es ein 14 Kilo leichtes, vierbeiniges Wesen, einem all diese schwer erarbeiteten Attribute binnen eines Tages zu nehmen.
Denn es ist definitiv nicht cool, jedes Mal wenn der Hund draussen pinkelt, sich so zu freuen und das Tier zu loben, als würde Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Es ist auch nicht souverän, sich bei einer leicht affektierten, ganz weiss gekleideten Dame zu entschuldigen, nachdem der Wuffi eben kurz mal Hallo sagen wollte und er felsenfest davon überzeugt war, dies könne er besonders durch Hochspringen und gleichzeitigem Hinterlassen eines Pfotenabdrucks unterstreichen.
Und wenn man dann das Gefühl hat, es wird alles ein bisschen besser und man kurz davor ist, seine Souveränität zurückzuerlangen, dann trifft man seinen Nachbarn, der, wie sich ziemlich schnell herausstellt, auch noch Hundetrainer ist. Wobei Hundetrainer ganz klar der falsche Ausdruck ist, da es eher “Frauchentrainer” heissen müsste. Und mit dem Wissen, dass man seinen Hund nie an der Leine zurückziehen sollte, Bewegungen viel mehr bringen als jedes Wort und mich der Hund scheinbar nicht als Autoritätsperson (sprich: Rudelführer) anerkannt hat, schreite ich heim. Weder cool, noch souverän. Sondern ganz kleinlaut.
Neulich in Berlin

In den Galeries Lafayette gibt´s seit Oktober 2010 Berlins ersten Goldautomaten. Einfach Kreditkarte reinstecken und man kann Gold ab einem Gramm erwerben – ohne sich zu legitimieren.
Beim Starbucks später will ich meine 6 Euro-Rechnung mit EC-Karte zahlen und muss meinen Ausweis vorzeigen. Jedes Schlitzohr sollte jetzt wohl wissen, was er mit einer gefundenen Kreditkarte in Berlin anstellt.
Der Tod eines Feindes…

Osama Bin Laden ist tot. Von US-Einheiten in Pakistan erschossen. Amerika jubelt, Angela Merkel freut sich auch, die BILD-Zeitung zeigt das vermeintliche Bett des Terroristen und bei Facebook wird über das gefälschte Foto des entstellten Toten diskutiert.
Eins vorweg: Nachdem er gleich erschossen wurde, stellt sich zumindest die Frage nicht, welche Art der Anklage und Strafe ihn erwartet hätte. So erspart man sich sicherlich einige Diskussionen, wie man mit so einer Kreatur verfahren soll.
Dennoch bleibt ein komisches Gefühl. Weil man genau weiss, dass der Tod eines Feindes nicht zeitgleich einen Sieg für die eigene Gruppe darstellen muss. Denn eine erhöhte Wachsamkeitsstufe, wie sie momentan herrscht, ist definitiv keine positive Errungenschaft. Und weil es befremdlich ist, wie die Amerikaner ihre Flaggen hissen und so agieren, als wäre damit der gesamte Terrorismus auf Erden abgeschafft. Osama Bin Laden ist nicht Hitler, die Al Qaida kann man nicht mit den Nazis vergleichen und wenn vor allem die USA nicht aufpasst, wächst vielleicht gerade eben ein kleiner Osama heran oder lungert bereits irgendwo herum.
Ich weiss auch keine Lösung. Aber einen “Auge um Auge, Zahn um Zahn”-Sieg so zu feiern, als wären damit sämtliche Probleme erledigt, ist sicherlich nicht der richtige Weg.
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